Qualifikation in der Endodontie

Auch in der Zahnmedizin entwickeln sich Wissen, Techniken und Möglichkeiten immer schneller fort.
Daher ist eine kontinuierliche Weiterbildung die wichtigste Voraussetzung für eine „zeitgemäße“ Behandlung.
In vielen Ländern ist der Fachzahnarzt oder Spezialist für Endodontie integraler Bestandteil der zahnärztlichen Versorgung. Im Regelfall wird hierfür nach dem Zahnmedizin-Studium ein weiterer mehrjähriger Studiengang (post-graduate-Studium) absolviert, in dem das spezielle Wissen über die Behandlungen von Zahnnerv-Erkrankungen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Literatur vermittelt wird.

In Deutschland gibt es keinen eigenen Vollzeit-Fachstudiengang Endodontie, bei uns erfolgt die Weiterbildung und Spezialisierung in diesem komplexen Teilbereich in erster Linie über strukturierte Fortbildungsserien, einzelne Kurse im In- und Ausland und intensives Literaturstudium. Die in Deutschland angebotenen Kurse sind in ihren Inhalten und Anforderungen sehr unterschiedlich, eine einheitliche Prüfung gibt es nicht und innerhalb der Bundesländer konkurrieren verschiedene Institutionen um interessierte Kolleginnen und Kollegen.
Ergänzend hierzu wurde 2010 der erste Masterstudiengang Endodontologie an einer deutschen Universität in Düsseldorf aufgebaut. Dieser berufsbegleitende Studiengang wurde mit der Unterstützung einer Vielzahl hochqualifizierter deutscher und internationaler Endodontologen, u.a. auch Dr. Clemens Bargholz, umgesetzt.

Vor diesem Hintergrund ist es schwierig einen „wirklich“ qualifizierten, endodontisch spezialisierten Zahnarzt ausfindig zu machen. Folgende Begriffserklärungen können daher eine Orientierung sein:

Tätigkeitsschwerpunkt

Wie in anderen Berufsgruppen kann auch der deutsche Zahnarzt einen (oder mehrere) Tätigkeitsschwerpunkt angeben. Dies ist bundesweit jedoch nicht einheitlich geregelt. In einigen Bundesländern erfolgt dies auf reiner Selbsteinschätzung ohne Angabe irgendwelcher Qualifikationsnachweise, in anderen Kammerbereichen muss zumindest die intensive Weiterbildung auf diesem Gebiet belegt werden.

Spezialisten für Endodontie

Der Begriff Spezialist ist für den Bereich der Medizin derzeit nicht klar geregelt. Daher erteilen sich vereinzelt Kollegen selbst den Titel eines „Spezialisten“. Der angegebene Titel muss daher kritisch hinterfragt werden.
Die Auflistung so genannter Spezialisten auf Internetseiten, die unter dieser Bezeichnung bereits Absolventen einer Fortbildungsreihe (meist 8 Wochenenden oder weniger, mit sehr geringen oder keinen Leistungsnachweisen) führen, ist zumindest sehr fraglich. Ganz besonders fraglich ist die Verleihung einer derartigen Bezeichnung nach Ableistung von 4 oder 5 Wochenendkursen durch einen kommerziellen Anbieter. Auch dies ist gegenwärtig traurige Realität.

Der Spezialist der wissenschaftlichen Fachgesellschaften

Vor dem Hintergrund dieser Situation, hat die Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztlichen Traumatologie e.V. (DGET) im November 2006 Richtlinien zur Ernennung zum Spezialisten für Endodontologie der DGEndo verabschiedet, nach denen sich Mitglieder prüfen lassen können. Diese Richtlinien wurden in Abstimmung mit der DGZ 2012 überarbeitet und ermöglichen so eine Orientierung bei der Suche nach einem wirklich spezialisierten Zahnarzt. Für diesen Titel wird die endodontische Qualifikation des Zahnarztes anhand mehrerer hundert Behandlungsfalle sowie ein hoher Umfang absolvierter Fortbildungen überprüft. Weiterhin muss nachgewiesen werden, dass das geforderte hohe Qualitätsniveau endodontischer Behandlung bereits über mehrere Jahre aufrecht erhalten wird. Der Titel wird zeitlich beschränkt vergeben.

Ein weiterer objektiver Qualifikationsnachweis ist die Zertifizierung durch die European Society of Endodontology (ESE).